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Meike Ullrich
Von: Meike Ullrich <mail[AT]meikeullrich.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: www.meikeullrich.de

Computerfirmen buhlen um die Märkte der Zukunft

Die Hersteller von Computerhardware Microsoft, Intel und AMD haben kurz hintereinander ihre Projekte für die Eroberung der Märkte in Entwicklungsländern vorgestellt und liefern sich einen Wettbewerb um eine schnelle Einführung der eigenen Produkte auf den Zukunftsmärkten in Indien, Brasilien und Nigeria.

Wie der ORF berichtet, investiert Intel in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Dollar, um die so genannten Hoffnungsmärkte zu erschließen und seine Dominanz auf den PC-Märkten weiter auszubauen. Ziel ist es auch, der Idee des 100-Dollar-Notebooks vom Konkurrenten AMD einen Schritt voraus zu sein. Insbesondere in Indien will Intel in Kürze Computer unter dem Stichwort „Entdecke den PC“ auf den Markt bringen, die 20% preiswerter sein sollen als andere vergleichbare Intel-PCs. Intel-Chef Otellini reiste eigens nach Bangalore, um die Pläne des Unternehmens vorzustellen.

Bill Gates stellte einen Tag zuvor den neuen Microsoft Service „Flex-Go“ in Brasilien vor, der von Intel unterstützt wird. Dahinter steht ein System, das sich mit Prepaid Karten für Mobiltelefone vergleichen lässt. Für 1,3 Milliarden Haushalte auf der ganzen Welt, die nicht über einen PC oder einen Internetanschluss verfügen, sollen Miet-PCs mit einem neuen Abrechnungssystem von Microsoft bereitgestellt werden, die von den örtlichen Internet-Providern subventioniert werden. Benutzer erhalten die Möglichkeit, Minutenkontingente für die Benutzung des PCs und des Internets zu kaufen.

Damit erzielt Microsoft gleich zwei Ziele. Einerseits werden auch die Entwicklungsländer zu Absatzmärkten und andererseits macht Microsoft die Nutzer mit dem hauseigenen Betriebsystem vertraut. Ein Wechsel zum kostenlosen Open Source Software-Wettbewerber Linux wird somit unwahrscheinlicher.

Das Vertrauen von Microsoft in die zukünftigen Computerbenutzer scheint zunächst noch nicht sehr groß zu sein. Die zu mietenden PCs sind mit umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet, um das Kopieren von Software und das Knacken des Bezahlmechanismus zu verhindern. Durch ein eigenes BIOS von Microsoft werden die Computer abgesichert und alle Internet-Zugriffe protokolliert.

Die Reiseziele von Bill Gates und Paul Otellini sind neben Indien und Brasilien in nächster Zeit auch Mexiko, Ägypten, Ghana und Nigeria – die bevölkerungsreichsten Märkte der Entwicklungsländer. In Indien verfügen nur zwei Prozent der Bevölkerung über einen PC mit Internetanschluss. Ein riesiger Markt, der sich dort eröffnet. Die enge Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Intel hat aber auch Grenzen. In Mexiko will die Firma ihre PCs mit dem Betriebssystem Linux anbieten.

Das Projekt des 100-Dollar-Notebooks von AMD, das kürzlich in "One Laptop Per Child" umbenannt wurde, verzögert sich weiterhin. Erst Anfang Mai wurden die ersten Prototypen fertig und letzte Woche erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kindercomputer sind klein, robust, bunt und ausgestattet mit einem Farbbildschirm und einem 500 Megahertz-Prozessor. Ein stromsparender Flashspeicher ersetzt die Festplatte und eine drahtlose Netzwerkverbindung ermöglicht den Internetzugang. Die Laptops werden mit einer eigens entwickelten Linux-Distribution betrieben

Höhere Hardwarepreise ließen den Preis für die Notebooks auf ca. 130,- Dollar ansteigen. Erste Auslieferungen der Geräte in die Entwicklungsländer werden frühestens Ende des Jahres erwartet. Auf der Website des eDemocracy Projektes pledgebank.com kann man sich bereits jetzt zu über 2000 Freiwilligen gesellen, die versprochen haben für 300,- Dollar drei Computer zu kaufen, um zwei davon an Kinder in den Zukunftsmärkten zu spenden.

Erschienen bei gipfelthemen.de am26.05.2006


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