eReadiness entwickelt sich weltweit positiv
Die digitale Kluft zwischen den Ländern verringert
sich. Das zeigen die Ergebnissse
der siebten “eReadiness”-Studie von IBM
und The
Economist Intelligence Unit , in der die 68 größten
Volkswirtschaften auf ihre Fähigkeit und Bereitschaft,
Informations-und Kommunikationstechnologien (IKT) zum Ausbau
der Wirtschaft zu nutzen, untersucht wurden. Dänemark
und die USA können sich dabei auf ihren Spitzenplätzen
behaupten, Deutschland bleibt auf dem 12. Rang. Positive Entwicklungen
lassen sich in beinahe allen betrachteten Staaten erkennen.
Über eine Million Internetnutzer und über zwei Millionen
Handy-Anschlüsse zeugen davon, dass die digitale Kommunikation
im Leben von immer mehr Menschen an Bedeutung gewinnt. Genauso
positiv entwickelt sich in den meisten Staaten die eReadiness.
Die seit 2000 jährlich durchgeführte Studie betrachtet
rund 100 Enflussfaktoren, darunter technische Elemente wie
Konnektivität und Infrastruktur. Aber auch nicht-technische
Einflüsse wie wirtschaftliche, politische und soziale
Rahmenbedingungen, das Innovationslevel, die generelle Akzeptanz
von IKT und die Bereitschaft, neue Geschäftsmodelle zu
entwickeln, fließen in die Bewertung mit ein.
Wie im letzten Jahr führt Dänemark die Wertung
an, gefolgt von den USA und der Schweiz. Praktisch alle Länder
weisen bei den technischen Indikatoren Fortschritte auf und
können ihre Wertung verbessern. Auffällig ist, dass
die 15 bestplazierten Staaten ähnlich gute Gesamtwertungen
zwischen 8 und 9 von 10 erreichbaren Punkten erzielen können.
Die größten Sprünge gelingen Australien und
Kanada, die jeweils zwei Plätze gutmachen und mit dem
8. bzw. 9. Rang erstmals in den Top Ten vertreten sind. Zum
ersten Mal wurden auch Jordanien, die Bermudas und die Vereinigten
Arabische Emirate in die Bewertung mit aufgenommen.
Schwellenländer holen auf
Die digitale Spaltung zwischen den einzelnen Staaten verringert
sich dabei zusehends. Besonders die in den vorherigen Jahren
schwächer bewerteten Staaten können aufholen und
gleichen sich den führenden Ländern immer stärker
an. Der Durchschnittswert der bestplatzierten Länder
stieg so um 2,5%, bei den mittleren Rängen um 6%, bei
den niedriger platzierten Länder aber um ganze 9%. In
den Schwellenmärkten setzt sich die rasante Entwicklung
beim Ausbau der Netzwerkinfrastruktur fort. Durch eine stärkere
Nutzung von Open
Source Software erhalten Privatpersonen und Unternehmen
immer leichter Zugang zu den IK-Technologien.
Zwar bestehen laut IBM bei den meisten Schwellenländern
noch Defizite In der Abstimmung der einzelnen Komponenten
einer funktionierenden digitalen Wirtschaft. Einzelne erlangen
in spezifischen Bereichen Weltklasse oder nähern sich
den globalen Standards an. Paradebeispiele sind Estland (Platz
26), Slowenien (Platz 27) und die Tschechische Republik (Platz
29) mit ihren weit fortgeschrittenen eGovernment-Dienstleistungen.
Nach wie vor nur untere Platzierungen erreichen Indien (49.
Rang) und China (54. Rang). Indien leistet aber mit einer
starken Basis an qualifizierten Fachkräften einen wichtigen
Beitrag zur globalen digitalen Ökonomie, während
China einen leistungsstarken IKT-Fabrikationssektor vorweisen
kann.
Länder mit Defiziten in der Infrastruktur und unvorteilhaften
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie etwa Bulgarien und
Vietnam profitieren durch die Auslagerung einzelner IT-Bezugsquellen
ins Ausland. Außerdem zeigen sich gerade in diesen Ländern
viele experimentierfreudige Unternehmen aufgeschlossen gegenüber
neuen e-Business-Lösungen und Prozessen, wie zum Beispiel
dem Einsatz von Voice
over IP-Lösungen, und treten damit in Konkurrenz
zu den traditionellen Geschäftsmodellen der Telekommunikationsunternehmen.
Skandinavische Länder dominieren die Gesamtwertung
Dominierend in der Gesamtwertung bleibt Westeuropa. Sechs
europäische Staaten finden sich in den Top Ten, darunter
vor allem die skandinavischen Länder, die sich durch
eine hohe Konnektivität, Internetnutzung und Verbreitung
von Mobiltelefonen auszeichnen. Deutschland behauptet sich
auf nicht gerade herausragenden 12. Platz. In drei Einzelkategorien
kann sich die Bundesrepublik jedoch einen Rang unter den ersten
Zehn sichern und kommt auf den 3. Platz bei der Bereitstellung
von e-Service Lösungen, den 6. Platz bei kulturellen
und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den 7. Platz
bei der Akzeptanz von IKT. Weniger gut schneidet Deutschland
dagegen bei den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen
ab, wo es lediglich den 18. Platz belegt, und auch in der
Kategorie Konnektivität und technologische Infrastruktur
reicht es nur für den 20. Platz.
Breitbandanschlüsse als Weg zur eReadiness
Insbesondere die vorhandene IKT-Infrastruktur wirkt sich
positiv auf die Entwicklung der eReadiness in Westeuropa aus.
Außerdem tragen vorteilhafte soziale und wirtschaftliche
Rahmenbedingungen zu der guten Bewertung vieler westeuropäischer
Staaten bei. Die Konnektivität ist hoch, Handys sind
weit verbreitet und die Zahl der Breitbandanschlüsse
steigt, Westeuropa konnte hier seinen Abstand zu den bisher
führenden nordasiatischen Staaten verringern. Auch Deutschland
kann in dieser Kategorie punkten, die Nutzung der Breitbandanschlüsse
ist im letzten Jahr um 43% gestiegen. Das kann allerdings
auch ein höheres Risiko im Hinblick auf die Internet-Kriminalität
bedeuten. In der Studie wird in diesem Zusammenhang der nationale
Plan zum Schutz der IT-Infrastruktur in Deutschland positiv
hervorgehoben, der als Vorbild für ähnliche Initiativen
in anderen europäischen Ländern gelten könne.
Nordamerika kann seine herausragende Stellung ebenfalls ausbauen,
Vor allem der Online-Handel trägt zu diesem guten Ergebniss
bei. Besonders Kanada kann seine Stellung im weltweiten Vergleich
verbessern. Mit einer um 25% gestiegenen Verbreitung von Breitbandanschlüssen
überholen die Kanadier sogar den in der Gesamtwertung
Zweitplatzierten USA mit 15%.
Nach Hans Rudolf Sprenger, Partner und Leiter des Bereichs
öffentliche Verwaltung bei IBM Business Consulting Services,
dürfe das gute Gesamtergebnis jedoch nicht darüber
hinwegtäuschen, dass vor allem beim e-Government noch
viel Arbeit vor den Ländern liege. Innovationen im öffentlichen
Sektor wie Public-Private-Partnerships (PPP) können häufig
den Weg auf diesem Sektor ebnen.
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