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Simone Gerdesmeier Datum: Wednesday, 10. May 2006
Von: Simone Gerdesmeier sgerdesmeier@politik-digital.de
An: sgerdesmeier@politik-digital.de
URL  www.gipfelthemen.de

eReadiness entwickelt sich weltweit positiv

Die digitale Kluft zwischen den Ländern verringert sich. Das zeigen die Ergebnissse der siebten “eReadiness”-Studie von IBM und The Economist Intelligence Unit , in der die 68 größten Volkswirtschaften auf ihre Fähigkeit und Bereitschaft, Informations-und Kommunikationstechnologien (IKT) zum Ausbau der Wirtschaft zu nutzen, untersucht wurden. Dänemark und die USA können sich dabei auf ihren Spitzenplätzen behaupten, Deutschland bleibt auf dem 12. Rang. Positive Entwicklungen lassen sich in beinahe allen betrachteten Staaten erkennen.

Über eine Million Internetnutzer und über zwei Millionen Handy-Anschlüsse zeugen davon, dass die digitale Kommunikation im Leben von immer mehr Menschen an Bedeutung gewinnt. Genauso positiv entwickelt sich in den meisten Staaten die eReadiness. Die seit 2000 jährlich durchgeführte Studie betrachtet rund 100 Enflussfaktoren, darunter technische Elemente wie Konnektivität und Infrastruktur. Aber auch nicht-technische Einflüsse wie wirtschaftliche, politische und soziale Rahmenbedingungen, das Innovationslevel, die generelle Akzeptanz von IKT und die Bereitschaft, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, fließen in die Bewertung mit ein.

Wie im letzten Jahr führt Dänemark die Wertung an, gefolgt von den USA und der Schweiz. Praktisch alle Länder weisen bei den technischen Indikatoren Fortschritte auf und können ihre Wertung verbessern. Auffällig ist, dass die 15 bestplazierten Staaten ähnlich gute Gesamtwertungen zwischen 8 und 9 von 10 erreichbaren Punkten erzielen können. Die größten Sprünge gelingen Australien und Kanada, die jeweils zwei Plätze gutmachen und mit dem 8. bzw. 9. Rang erstmals in den Top Ten vertreten sind. Zum ersten Mal wurden auch Jordanien, die Bermudas und die Vereinigten Arabische Emirate in die Bewertung mit aufgenommen.

Schwellenländer holen auf

Die digitale Spaltung zwischen den einzelnen Staaten verringert sich dabei zusehends. Besonders die in den vorherigen Jahren schwächer bewerteten Staaten können aufholen und gleichen sich den führenden Ländern immer stärker an. Der Durchschnittswert der bestplatzierten Länder stieg so um 2,5%, bei den mittleren Rängen um 6%, bei den niedriger platzierten Länder aber um ganze 9%. In den Schwellenmärkten setzt sich die rasante Entwicklung beim Ausbau der Netzwerkinfrastruktur fort. Durch eine stärkere Nutzung von Open Source Software erhalten Privatpersonen und Unternehmen immer leichter Zugang zu den IK-Technologien.

Zwar bestehen laut IBM bei den meisten Schwellenländern noch Defizite In der Abstimmung der einzelnen Komponenten einer funktionierenden digitalen Wirtschaft. Einzelne erlangen in spezifischen Bereichen Weltklasse oder nähern sich den globalen Standards an. Paradebeispiele sind Estland (Platz 26), Slowenien (Platz 27) und die Tschechische Republik (Platz 29) mit ihren weit fortgeschrittenen eGovernment-Dienstleistungen. Nach wie vor nur untere Platzierungen erreichen Indien (49. Rang) und China (54. Rang). Indien leistet aber mit einer starken Basis an qualifizierten Fachkräften einen wichtigen Beitrag zur globalen digitalen Ökonomie, während China einen leistungsstarken IKT-Fabrikationssektor vorweisen kann.

Länder mit Defiziten in der Infrastruktur und unvorteilhaften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie etwa Bulgarien und Vietnam profitieren durch die Auslagerung einzelner IT-Bezugsquellen ins Ausland. Außerdem zeigen sich gerade in diesen Ländern viele experimentierfreudige Unternehmen aufgeschlossen gegenüber neuen e-Business-Lösungen und Prozessen, wie zum Beispiel dem Einsatz von Voice over IP-Lösungen, und treten damit in Konkurrenz zu den traditionellen Geschäftsmodellen der Telekommunikationsunternehmen.

Skandinavische Länder dominieren die Gesamtwertung

Dominierend in der Gesamtwertung bleibt Westeuropa. Sechs europäische Staaten finden sich in den Top Ten, darunter vor allem die skandinavischen Länder, die sich durch eine hohe Konnektivität, Internetnutzung und Verbreitung von Mobiltelefonen auszeichnen. Deutschland behauptet sich auf nicht gerade herausragenden 12. Platz. In drei Einzelkategorien kann sich die Bundesrepublik jedoch einen Rang unter den ersten Zehn sichern und kommt auf den 3. Platz bei der Bereitstellung von e-Service Lösungen, den 6. Platz bei kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den 7. Platz bei der Akzeptanz von IKT. Weniger gut schneidet Deutschland dagegen bei den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, wo es lediglich den 18. Platz belegt, und auch in der Kategorie Konnektivität und technologische Infrastruktur reicht es nur für den 20. Platz.

Breitbandanschlüsse als Weg zur eReadiness

Insbesondere die vorhandene IKT-Infrastruktur wirkt sich positiv auf die Entwicklung der eReadiness in Westeuropa aus. Außerdem tragen vorteilhafte soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu der guten Bewertung vieler westeuropäischer Staaten bei. Die Konnektivität ist hoch, Handys sind weit verbreitet und die Zahl der Breitbandanschlüsse steigt, Westeuropa konnte hier seinen Abstand zu den bisher führenden nordasiatischen Staaten verringern. Auch Deutschland kann in dieser Kategorie punkten, die Nutzung der Breitbandanschlüsse ist im letzten Jahr um 43% gestiegen. Das kann allerdings auch ein höheres Risiko im Hinblick auf die Internet-Kriminalität bedeuten. In der Studie wird in diesem Zusammenhang der nationale Plan zum Schutz der IT-Infrastruktur in Deutschland positiv hervorgehoben, der als Vorbild für ähnliche Initiativen in anderen europäischen Ländern gelten könne.

Nordamerika kann seine herausragende Stellung ebenfalls ausbauen, Vor allem der Online-Handel trägt zu diesem guten Ergebniss bei. Besonders Kanada kann seine Stellung im weltweiten Vergleich verbessern. Mit einer um 25% gestiegenen Verbreitung von Breitbandanschlüssen überholen die Kanadier sogar den in der Gesamtwertung Zweitplatzierten USA mit 15%.

Nach Hans Rudolf Sprenger, Partner und Leiter des Bereichs öffentliche Verwaltung bei IBM Business Consulting Services, dürfe das gute Gesamtergebnis jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem beim e-Government noch viel Arbeit vor den Ländern liege. Innovationen im öffentlichen Sektor wie Public-Private-Partnerships (PPP) können häufig den Weg auf diesem Sektor ebnen.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 10.05.2006
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