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Im Leben von Offlinern
(Protokolle) Das Leben vor 1995 –
für manche immer noch Realität: Sie leben analog.
eMails schreiben, surfen, Bahnfahrkarten online bestellen,
das machen ihre Kinder oder Enkel, sie selbst haben damit
nichts zu tun. Drei Offliner berichten über ihren Alltag,
politik-digital.de hat protokolliert.
Frauen über 60 – das sind die statistischen Offliner,
so der "(N)Onliner-Atlas 2006" der Initiative D21.
Aber wie beeinflusst das Internet den Alltag von Menschen,
deren Leben weitgehend analog verläuft? In welchen Situationen
kommen sie mit der digitalen Welt in Berührung? Und vor
allem: Was halten sie vom Internet? Marianne, Wilfried und
Irma sind offline und erzählen von gläsernen Menschen,
Online-Wahlen und den Vorteilen von Bargeld.
Marianne (62), Hausfrau
„Den Einkommenssteuerbescheid online ausfüllen,
übers Internet wählen, statt bei Regen ins Wahlbüro
laufen – das klingt schon gut, ich wusste bis vor kurzem
gar nicht, dass das geht. Vielleicht gibt es im Internet ja
auch noch andere Dienstleistungen die Behördengänge
ersetzen, andere Verwaltungsangelegenheiten, keine Ahnung,
das könnte ich gut gebrauchen. Aber selbst war ich noch
nie im Internet, wenn ich etwas gebraucht habe, dann hat das
bis jetzt immer mein Sohn für mich gemacht. Also etwas
zu recherchieren oder so. Er hat zum Beispiel ein Zimmer in
einer Pension über das Internet für mich gebucht.
Oder er hat Preise für ein Produkt verglichen, das fand
ich schon ganz gut. Man kann es dann ja auch gleich bestellen.
Und wenn man krank ist, kann man sich mit anderen über
das Internet austauschen. Und für eMails bräuchte
ich ja auch Internet, dann könnte man auch Kontakte im
Ausland pflegen. Ich habe ziemlich oft das Gefühl, dass
mir etwas fehlt, dass ich das Internet schon bräuchte.
Alleine ins Internet zu gehen, ist mir zu kompliziert, man
kann wahrscheinlich ziemlich viel falsch machen. Aber neugierig
bin ich schon, ich will das mal ausprobieren und surfen, wie
man sagt. Nur eines würde ich grundsätzlich nicht
machen: Online-Banking kommt nicht in Frage, das ist mir zu
unsicher."
Wilfried (62), Feinmechaniker
„Ich selbst war noch nie im Internet, meine Frau schon.
Sie nutzt das Netz für eMail-Kontakte und recherchiert
Termine und allgemeine Informationen für ihre Verbandsarbeit
im Sportverein. Sie hat auch schon eine Reise im Internet
gebucht. Aber ehrlich gesagt: Mir ist das zu langweilig. Solange
ich alles persönlich erledigen kann, brauche ich das
nicht. Ich gehe in die Bank und zahle am Kassenschalter Geld
ein oder hebe welches ab, wechsele ein, zwei Worte mit der
Frau hinterm Schalter, das ist mir lieber. Auch persönliche
Gespräche sind für mich nicht durch eMails oder
so etwas zu ersetzen. Ich schaue den Leuten lieber in die
Augen, wenn ich mit ihnen rede. Meiner Meinung nach ist das
Internet außerdem gefährlich: Es ist schuld daran,
dass immens viele Arbeitsplätze verloren gehen, es begünstigt
kriminelle Machenschaften. Und außerdem sammelt es die
Daten der Bevölkerung – der einzelne wird zum gläsernen
Menschen.“
Irma (67), Hausfrau
„Grundsätzlich: Ich halte nicht viel vom Internet.
Kinder und Jugendliche haben so Zugang zu Sachen, zu denen
sie besser keinen hätten. Meine 15-jährige Enkelin
ist dauernd im Internet, korrespondiert mit ihren Brieffreundinnen,
lädt sich Musik runter – wenn ich bei ihr bin,
schaue ich da schon mal mit rein. Die Cousine meines Mannes
ist ein Jahr älter als ich und verbringt seit 15 Jahren
jede freie Minute mit dem Computer. Ich hätte ehrlich
gesagt Besseres zu tun. Mit ihren Kindern und Freunden hat
sie in erster Linie Kontakt über eMails. Das ist so unpersönlich,
mir wäre ein handgeschriebener Brief immer lieber, und
wenn er noch so kurz ist. Gut, für Geschäftsleute
ist das schon praktisch, ein Brief oder ein Telegramm ist
halt nicht so schnell. Wenn wir verreisen, fahre ich in die
Stadt, gehe zum Bahnhof , lasse mich beraten und kaufe dann
die Fahrkarten. Diese persönlichen Gespräche sind
mir einfach wichtig. Neulich haben wir mit unseren Kindern
und Enkeln ein paar Tage Urlaub in Serbien gemacht. Ich habe
vorher im Hotel angerufen und gefragt, was es kostet, überschlagen,
was wir sonst so brauchen, und entsprechend viel Bargeld getauscht.
Eine ec-Karte oder so etwas habe ich nicht. Meine Tochter
hat protestiert und gesagt, sie würde ihre Karte mitnehmen,
Bargeld, das brauche man heute nicht mehr. Was soll ich sagen:
Ohne mein Geld wären wir ganz schön aufgeschmissen
gewesen. Bankautomaten haben wir dort fast keine gefunden.“
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